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Autor: Ruedi Burkart
Bild: Logo Freiämter
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Handball-Nationalspielerin Nora Snedkerud, 20, aus Widen spricht über die WM und ihre neue Herausforderung in Frankreich.

Das war ein Schock für mich

Über die Festtage weilt Nora Snedkerud, 20, im Kreise ihrer Familie in Widen, gelegen über dem Limmat-und dem Reusstal. Nach Beendigung der Weltmeisterschaft in Deutschland und den Niederlanden musste die1,82MetergrosseKreisläuferin erst ein paar Tage zu ihrem Klub mit dem klingenden Namen Strasbourg Achenheim Truchtersheim. Jetzt aber hat auch die Schweizer Nationalspielerin mit norwegischen Wurzeln Ferien. Hoch über dem Nebelmeer empfängt die ehemalige Juniorin des HC Dietikon-Urdorf diese Zeit zum Interview.


Sie spielten während vier Jahren im Nachwuchs des HC Dietikon-Urdorf, dann ab der U16 beim Spitzenklub LK Zug. Nach drei Jahren in der höchsten Schweizer Liga bei Spono Nottwil wechselten Sie im vergangenen Sommer zum Klub Strasbourg Achenheim Truchtersheim in der höchsten französischen Liga. Warum?

Nora Snedkerud: Nach der Europameisterschaft im vergangenen Jahr (es war Snedkeruds erstes Turnier im Kreise der Schweizer A-Nationalmannschaft, Anmerkung der Redaktion) merkte ich, dass ich eine neue Herausforderung in einer stärkeren Liga will. Dass es nun Frankreich ist, war ein wenig auch Zufall. Ich wollte es nach drei Saisons bei Nottwil einfach mal im Ausland versuchen.

Wie kommt ein solcher Transfer zustande? Wie muss man sich das vorstellen?

Durch meine Agentin ist der erste Kontakt mit Strasbourg entstanden. Ich sagte ihr, dass ich es mal in einer anderen Liga versuchen möchte. Eine Agentin oder einen Agenten haben mittlerweile fast alle Spitzenspielerinnen.

Jetzt stehen Sie seit dieser Saison bei einem Klub im nahen Elsass unter Vertrag. War das ein bewusster Entscheid? Würden Sie in Nordfrankreich spielen, wäre die Reise nach Widen zu Ihrer Familie einiges mühsamer.

Auch das war Zufall.

Wie lange dauert Ihr Kontrakt?

Zwei Jahre fix plus eine Option auf eine dritte Saison.

Wie lebt es sich in Strasbourg?

Es gefällt mir sehr, danke der Nachfrage. Mir wurde vom Klub in Strasbourg eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Neben dem täglichen Handballtraining absolviere ich einen Sprachkurs und mache die Berufsmatura im Fernstudium.

Kein Heimweh zwischendurch?

Na ja, nicht wirklich (schmunzelt). Ich habe tolle Mitspielerinnen, der Umgang untereinander ist sehr kollegial. Mit meiner Familie kann ich ja täglich Kontakt haben, falls ich das möchte.

Sie leben als Profisportlerin? Oder arbeiten Sie in einem Teilpensum neben dem Sport?

Ich arbeite neben dem Handball nicht. Ich kann mich auf den Sport und meine Weiterbildung konzentrieren.

Wie läuft es Ihnen und Ihrem Klub in der nationalen Meisterschaft?

Wir hatten im Herbst eine schwache Phase, haben uns aber mittlerweile gefangen. Wir stehen momentan auf Rang 10, aber wir wollen in die Top 8 der Liga. Das ist auch unser Anspruch in der laufenden Saison.

Wie sieht es mit den Zuschauerzahlen aus?

Wir haben in Truchtersheim eine vergleichsweise kleine Heimhalle mit nur einer Tribüne auf der einen Seite. Die ist jeweils gut gefüllt, aber genaue Zahlen kann ich Ihnen nicht nennen. Die Heimspiele gegen grosse Klubs wie Metz oder Brest tragen wir in einer grösseren Halle in Strasbourg aus, da können es schon mal 5000 Fans sein.

Persönlich

Die 20-jährige gebürtige Limmattalerin Nora Snedkerud spielte als Juniorin beim HC Mutschellen, bei Wohlen, dem HC Dietikon Urdorf und bei Wasserschloss. Im Alter von 15 Jahren wechselte die Kreisläuferin zum Spitzenklub LK Zug ins U16-Eliteteam.

Im Sommer 2022 schloss sie sich Spono Nottwil in der höchsten nationalen Liga an. Sie spielte drei Saisons für die Luzernerinnen. Seit diesem Jahr steht Snedkerud beim französischen Erstligisten Strasbourg Achenheim Truchtersheim unter Vertrag.

Für die Schweizer A-Nationalmannschaft war sie an der EM 2024 und der kürzlich zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft im Einsatz. Nora Snedkeruds ältere Schwester Larissa Snedkerud spielt bei der SG Freiamt Plus in der 2. Liga.

Aber in der Hauptrunde kamen wir an unsere Grenzen.

Ihre persönliche Bilanz nach den ersten Monaten in der Fremde?

Ich kann sagen, dass der Wechsel nach Frankreich für mich sehr positiv war. Am Kreis habe ich mich mittlerweile in die Stammformation gespielt.

Sie geben das Stichwort für die nächste Frage. An der jüngst zu Ende gegangenen Weltmeisterschaft starteten Sie als Nummer zwei auf Ihrer Position. Im sechsten und letzten WM-Spiel verletzte sich Tabea Schmid, die unbestrittene Stammspielerin am Kreis, schwer am Knie. Sie kamen ins Spiel und erzielten bei der 24:36-Niederlage gegen Rumänien zwei Tore. Wie war das für Sie?

Tabeas Verletzung war ein Schock für mich und das ganze Team.

Abgesehen von diesem Malheur: Wie präsentiert sich Ihr persönliches WM-Fazit?

Die Gruppenphase mit den beiden Siegen gegen Iran und Senegal und der einen starken Halbzeit gegen Ungarn war okay. Es folgten drei Niederlagen. Darum bin ich auch nicht sehr zufrieden. Ich hätte bei meinen Einsätzen mehr herausholen können, das muss ich mir eingestehen. Auch in der Abwehr, da bin ich nicht immer gleich ins Spiel gekommen.

Tabea Schmid wird mit einem Kreuzbandriss bis zu neun Monate ausfallen. Das ist Ihre grosse Chance auf den Stammplatz am Kreis in der Schweizer Nati.

Zuerst einmal tut es mir persönlich für Tabea mega leid. Wie es nun weitergehen wird? Wir werden sehen. Ich hoffe einfach, dass sie möglichst rasch wieder gesund wird.

Wann steht der nächste Termin mit der Nationalmannschaft an?

Im März. Dann geht es in die Vorbereitung auf die Europameisterschaft im nächsten Winter. Dann werden wir auch wissen, wie der Heilungsverlauf von Tabea ist.